IV – Charakterzüge

Eigenschaften, die man bei seinem Ehepartner suchen sollte

 

Die Wichtigkeit des Themas

Sicherzugehen, dass Muslime gut zu ihren Ehepartner passen, ist eines der wichtigsten und wahrscheinlich schwierigsten Aufgaben der muslimischen Gesellschaft. Der Einzelne, der heiraten möchte, muss klare Prioritäten haben und sich darüber im klaren sein, welche Charaktereigenschaften die wichtigsten sind, die bei einem Ehepartner begehrt werden, um eine erfolgreiche Ehe zu führen. Es gibt viele Charaktereigenschaften die wichtig bei einem Ehemann oder einer Ehefrau sind, aber einige sind noch wichtiger als andere. Die Überbetonung der falschen Qualitäten kann zu einer Katastrophe auf dem Wege führen, ebenfalls wenn man nachlässig bei bestimmten Überlegungen ist. Wenn es darum geht, die Ziele und Prioritäten einer Ehe im Islam zu verstehen, werden wir eventuell zu der islamischen Methode geführt, eine Ehe im Islam zu erstreben und hören auf, einfach blind den Ungläubigen in ihren unwissenden Vorstellungen von der Bedeutung „sich gegenseitig kennenzulernen“ und anderen solchen Konzepten zu folgen, welche in Wirklichkeit nichts zu einer erfolgreichen Ehe beitragen und sie häufig sogar sabotieren.

Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) lehrte uns in vielen Ahadith die verschiedenen Charaktereigenschaften und deren jeweilige Wichtigkeit, nach denen man bei einem Ehepartner sucht und welche Inscha Allah Erfolg und Allahs Segen für die Ehe bringen. Unter jenen Ahadith ist folgender:

„Eine Frau wird wegen ihres Glaubens, ihres Wohlstandes oder ihrer Schönheit geheiratet. Heirate eine wegen ihres Glaubens, damit deine Hände nicht nach Staub greifen (wenn ihr dies missachtet)." [Muslim]

„Wähle deine Saat sorgfältig. Heirate jene, welche dir ebenbürtig ist und gib ihnen in der Ehe.“ [Ibn Majah und andere und es ist sahih.] "

In den folgenden Abschnitten werden wir Inscha Allah einige der wichtigsten Charaktereigenschaften erörtern, welche im Quran und in der Sunna zu finden sind, wenn es um die Wahl eines guten Ehepartners geht.

 

Religion

Im vorherigen Hadith hat der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) verschiedene Charaktereigenschaften genannt, nach denen die Leute, nach ihrer Art und Sitte, bei einem Ehepartner suchen. Er hat keine von denen befürwortet, sondern er hat sie lediglich als Fakten der menschlichen Natur genannt, außer die Angelegenheit des „Glaubens“, das heißt, ein potentieller Ehepartner besitzt Frömmigkeit und praktiziert den Islam, erfüllt die Pflichten (wajib) und vermeidet das Verbotene (haram). Über diesen Charakterzug sagte der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) „alaikum bi dhaati ad-deen“ oder „es liegt bei dir, diejenige zu suchen, die Frömmigkeit besitzt“. Das ist eine Anweisung und verschieden von der allgemeinen Aussage am Anfang des Hadiths, welcher sagt „Eine Frau wird geheiratet wegen…“ und trennt somit die Angelegenheit des Glaubens von den anderen banalen Angelegenheiten und  stellt es in eine eigene Kategorie. Außerdem, wenn der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) am Ende des Hadiths sagt „damit deine Hände nicht nach Staub greifen“ und damit das negative Ergebnis für jene heraufbeschwört, die seiner Anweisung nicht Folge leisten, kann es sich nur auf die Anweisung beziehen, einen Ehepartner, der Frömmigkeit besitzt, zu suchen, da dies die einzige Anweisung in dem Hadith ist.

Wir müssen darauf achten, nicht zu oberflächlich in dieser Angelegenheit zu sein. Das bloße Tragen eines Hijabs oder eines Bartes und das Beten in der Moschee, welche offensichtliche Voraussetzungen der Frömmigkeit sind, garantieren sie jedoch nicht. Es gibt viele Leute, die auf den ersten Blick dem Islam zu folgen scheinen, aber bei näherer Betrachtung ein verdrehtes Verständnis vom Islam haben und deren Praxis in Wirklichkeit vieles zu wünschen übrig lässt. 'Umar sagte einmal zu jemanden, welcher die Güte einer Person aufgrund der Tatsache, dass er ihn in der Moschee gesehen hatte, bezeugt hatte, dass er diesen nicht kennt, solange er keine Handel mit ihm, bei dem es um Geld ging, getätigt hat, nicht mit ihm gelebt hat oder mit ihm gereist ist.

Das Merkmal der Frömmigkeit gilt für den Bräutigam und ebenso für die Braut. Der Vormund der Frau sollte dies zu seiner wichtigsten Priorität machen, genauso wie ein Mann, der nach einer Ehefrau sucht, dies tun sollte. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Wenn jemand, mit dessen Frömmigkeit und Charakter du zufrieden bist, zu dir kommt, heirate ihn. Wenn du es nicht machst, wird es Prüfungen auf der Erde und viel Übel geben.“ [At-Tirmidhi und andere und es ist hassan]

 

Charakter und Verhalten

Im vorherigen Hadith, welcher sich an jene richtet, die für die ehelichen Angelegenheiten der muslimischen Frauen und Mädchen verantwortlich sind, fordert der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) von ihnen, ihnen die Ehe zu ermöglichen, wenn sie mit zwei Sachen zufrieden sind: der Glaube des Verehrers und sein Charakter.

Der Charakter ist von größter Wichtigkeit im Islam und geht Hand in Hand mit dem Glauben und der Frömmigkeit einher. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm)  hat es sogar als Ziel seiner Mission für die Menschheit beschrieben, welches in folgenden Ahadith deutlich wird:

„Ich wurde nur geschickt um den guten Charakter zu vollenden.“ [Al-Hakim und andere (sahih)]

„Ich bin ein Bürge eines Haus im höchsten Teil des Paradieses für denjenigen, der seinen Charakter zu einem guten macht.“ [Abu Dawud und es ist hassan]

„Rechtschaffenheit ist ein guter Charakter.“ [Muslim]

“Die Gläubigen mit dem vollständigsten Iman sind die mit dem besten Charakter.” [Abu Dawud und es ist sahih]

In An-Nur Vers 26 beschreibt Allah die Beziehung dieser Angelegenheit zur Ehe:

„Schlechte Frauen sind für schlechte Männer, und schlechte Männer sind für schlechte Frauen. Und gute Frauen sind für gute Männer, und gute Männer sind für gute Frauen.“ [der edle Quran 24:26]

Das Word khabith, welches mit “schlecht” übersetzt wird, bedeutet schmutzig, unrein und verachtenswert. Es ist ein sehr starkes Wort. Das Word tayyib, welches als „gut“ übersetzt wird, bedeutet sauber und rein, sowie gut.

Einer der wichtigen Dinge des Charakters bei einem Ehepartner ist die Beschaffenheit des wudd. Es bedeutet Güte, Barmherzigkeit und Mitgefühl. Der Prophet (Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

„Heirate die Liebevolle/Freundliche, die Gebärende, denn ich werde die anderen Nationen mit unserer Anzahl am Tage von Qiyamah übertreffen.“ [Ahmad, Abu Dawud und andere und es ist sahih]

Deshalb muss der zukünftige Ehepartner nach dem Verhalten und den Manieren des anderen fragen und diese herausfinden. Hinweise kann man auch bekommen, wenn man sich das Verhalten und die Manieren der Familie der Person anschaut, denn oftmals (aber nicht immer) sind das Verhalten einer Person und das seiner Familie ähnlich. Mit anderen Worten, einige Charaktereigenschaften scheinen in der Familie verbreitet zu sein, seien sie gut oder schlecht, zum Beispiel Zorn, Höflichkeit, Geiz, Großzügigkeit, Lügen, Ehrlichkeit und so weiter.

 

Das Kinderkriegen

Wie wir im vorherigen Hadith gesehen haben, empfiehlt der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) den Männern jene Frauen zu heiraten, welche Kinder gebären. Diese Eigenschaft steht in Bezug zu den Zielen und dem Anliegen der Ehe, welcher vorher genannt wurden, zum Beispiel das Erzeugen einer muslimischen Ummah und die Gründung einer frommen Familie als Grundpfeiler der Gesellschaft und so weiter.

Die Gelehrten sagen, dass ein Mann sich die weiblichen Verwandten einer Frau ansehen kann um sich ein Bild davon zu machen, ob sie geeignet ist leicht und oft schwanger zu werden, oder nicht. Diese Eigenschaft sollte auch auf die Männer zutreffen. Wenn ein Mann zum Beispiel sagt, dass er vor dem Beitritt zum Islam eine Vasektomie hatte, ist er kein geeigneter Ehemann für ein muslimisches Mädchen, welche zum ersten Mal heiratet.

 

Jungfräulichkeit

Es gibt viele Ahadith welche von einem Mann fordern, eine jungfräuliche Frau zu heiraten, wie beispielsweise folgender:

„Heirate Jungfrauen, denn sie haben süßere Münder, ergiebigere Gebärmütter und sind mit weniger zufrieden.“ [At-Tabarani und es ist hassan]

Aus anderen Überlieferungen geht hervor, dass sie eher zufrieden mit einem Mann ist, und weniger unaufrichtig und trügerisch ist. Einmal, als Jabir eine ältere und bereits einmal verheiratete Frau heiratete, sagte der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) zu ihm:

„Warum nicht eine Jungfrau? Du hättest mit ihr spielen können und sie mit dir.“

Die Gelehrten haben betont, dass diese gute Eigenschaft genauso auf den Ehemann, wie auf die Ehefrau, zutrifft. Einer von ihnen schrieb: „Es ist gleichermaßen bevorzugt, seine Tochter nicht zu verheiraten, außer an einen jungfräulichen Mann, wenn sie niemals vorher verheiratet war.“ 'Umar ibn Al-Khattab hörte einst von einer Frau, die mit einem älteren Mann verheiratet war und er sagte: “O Leute, fürchtet Allah und verheiratet einen Mann mit einer Frau, welche ihm ähnlich ist und verheiratet eine Frau mit einem Mann, welcher ihr ähnlich ist.“

 

Schönheit

Diese Charaktereigenschaft spielt eine gewisse Rolle, da eines der Ziele der Ehe ist, beide Ehegatten von Sünden fernzuhalten. Der beste Weg dies zu erreichen, ist eine starke Anziehung zwischen den Ehepartnern. Obwohl dies etwas ist, was sicherlich mit der Zeit wächst, können in einigen Fällen anfängliche Eindrücke ein Hindernis für eine erfolgreiche Ehe werden. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) trennte Qais ibn Shamas von seiner Frau in dem berühmten Fall von Khul'a und ihr genannter Grund war, dass er außerordentlich missfallend für sie war. Es gibt viele Ahadith welche den potentiellen Ehepartner mahnen, einen Blick auf den anderen zu werfen, bevor man die Ehe eingeht. Einmal hat ein Gefährte ihm (Frieden und Segen seien auf ihm) gesagt, dass er heiraten wird. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) fragte ihn, ob er sie gesehen hatte. Als der Mann dies verneinte, sagte er (Frieden und Segen seien auf ihm):

„Geh und schau sie an, denn so ist es eher möglich, dass Liebe zwischen euch beiden erzeugt wird.“ [Ahmad und andere und es ist sahih]

'Umar ibn Al-Khattab sagte einmal: “Zwingt eure jungen Mädchen nicht, einen hässlichen Mann zu heiraten, denn sie lieben auch, was du liebst.” Ibn Abidin (ein berühmter Faqih des letzten Jahrhunderts) sagte: „Die Frau sollte einen Mann wählen, der religiös ist, einen guten Charakter hat, großzügig ist und reichlich Besitz hat. Sie sollte keinen Übeltäter heiraten. Jemand sollte seine junge Tochter nicht an einen alten Mann oder einen hässlichen Mann verheiraten, stattdessen sollte er sie zu einem ihr ähnlichen verheiraten.“

Schönheit spielt eine Rolle, aber vergiss nicht, dass es weit unterhalb von Frömmigkeit, Charakter und Glaube auf der Prioritätenliste steht. Wenn jemand die Schönheit über alles andere hebt, kann das Ergebnis katastrophal sein. Das ist einer der Hauptgründe, warum einem jungen Menschen, welcher heiraten möchte, von reiferen Familienmitgliedern beim Treffen der richtigen Wahl geholfen werden sollte.

 

Sich die potentielle Ehepartnerin ansehen

Wie wir gesehen haben, ermutigte der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) die Männer, die eine bestimmte Frau heiraten möchten, sie sich anzusehen. Er (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte in einem anderen Hadith:

„Wenn einer von euch einer Frau einen Heiratsantrag macht und wenn es ihm möglich ist, sie anzusehen, was ihn dazu bewegt, sie zu heiraten, so lasst ihn gewähren.“ [Abu Dawud und andere (hassan)]

Beachte, dass dieser Hadith nicht die Grenzen dessen außer Kraft setzt, was eine Frau einem  Nicht-Maharam zeigen darf. Sie muss sich weiterhin richtig bedecken, außer ihrem Gesicht und ihren Händen, vor allen und vor dem potentiellen Ehemann, auch wenn er ihr einen Antrag gemacht hat, gibt es keine Ausnahme darin. Selbst so jemand darf auch nur das sehen, was jeder andere sehen darf. Der Unterschied ist, dass er sie sich gut anschauen darf – wenn es nicht für den Heiratsantrag wäre, wären beide verpflichtet ihre Augen nach erstem Blick abzuwenden. Wie der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) zu Ali über das Anblicken einer Nicht-Mahram Frau sagte: „Der erste ist für dich, der zweite ist gehen dich.“

Es ist auch deutlich, dass der Zweck dieses Blickes ein spezieller ist: er soll helfen herauszufinden, ob man diese Person heiraten möchte, oder nicht. Nachdem dies festgestellt wurde und die Entscheidung getroffen wurde, dass man heiraten möchte, ist es nicht länger erlaubt sich anzusehen. Wenn ein Mann und eine Frau sich entschieden haben zu heiraten, dürfen sie sich deswegen nicht weiterhin sehen. Ganz im Gegenteil, da die Entscheidung getroffen wurde, ist es nicht länger nötig, dass beide sich sehen und beiden ist es nicht länger erlaubt. Solange bis der Antrag und die Einwilligung zur Ehe nicht ausgesprochen wurden, gibt es keine Beziehung zwischen beiden und alle Gesetze für fremde Männer und Frauen treffen immer noch auf beide zu.

Es gibt eine Reihe wichtiger Punkte, welche zu diesem Thema gehören:

Einige Gelehrte sagen, dass dieser Blick Sunnah (d.h. empfohlen) ist, während andere sagen, dass es einfach erlaubt ist. Der Hadith scheint die erste Sichtweise zu unterstützen.

Es kann nur gemacht werden, wenn eine Person tatsächlich beabsichtigt die andere Person zu heiraten UND wenn es eine tatsächliche Möglichkeit dafür gibt. Ansonsten bleibt so ein Blick verboten.

Es darf  nicht im Geheimen gemacht werden. Mit anderen Worten, es ist einem Mann und einer Frau, die nicht verheiratet sind – auch wenn sie „verlobt“ sind – nicht erlaubt, allein zu sein.

Es kann mehr als einmal geschaut werden – wenn und nur wenn das Ziel nicht erreicht wurde.

Es gibt verschiedene Meinungen darüber, wie viel von einer Frau in folgendem Kontext gesehen werden darf, so dass es immer noch rechtmäßig ist: Er kann sehen, was jeder andere auch sehen kann, das heißt, er kann sie ansehen, wenn sie mit vollständiger Kleidung für draußen bekleidet ist. Das ist die generelle Meinung, die sicherste und die, auf welche alle Beweise zutreffen.

Eine Meinung der Hanbali Denkschule besagt, dass er sie in normaler Kleidung für Zuhause (die sie nur vor ihrer Familie trägt) sehen darf, was das Entblößen ihres Halses, ihrer Arme, ihrer Unterschenkel, usw. einschließt.

Eine bizarre und verrückte Meinung von der Dhahiri Denkschule besagt, dass er ihren ganzen Körper sehen darf. Obwohl sie sprachliche Argumente dafür haben, die sie aus dem Hadith entnehmen, ist diese Praxis absolut unzutreffend, da es vielen Versen im Quran und anderen Ahadith widerspricht und durch keine Handlungsweise der Gefährten oder der ersten Generationen gestützt wird.

Die Gelehrten empfehlen, dass dieser Blick stattfinden soll, wenn jemand beabsichtigt einen Heiratsantrag zu machen, aber noch bevor der Antrag tatsächlich gemacht wurde. Auch wenn der Hadith den Anschein erweckt, dass es anders ist, wird dies als besser angesehen, um zu verhindern, dass die Gefühle der Frau verletzt werden, falls der Mann seine Meinung ändert, nachdem er sie gesehen hat.

Die Mehrheit der Gelehrten sagen, dass ihr Vorherwissen oder ihre Erlaubnis nicht benötigt werden – besonders da er sie bloß in der Öffentlichkeit sieht und in einer Art und Weise, wie sie jeder sehen kann. Die Maliki Denkschule sagt, dass es abzulehnen ist, sie anzusehen, während sie sich dessen nicht bewusst ist, da schlechte Männer diese Praxis als eine Ausrede benutzen können, die ganze Zeit Frauen anzuschauen und wenn man ihnen sagt, damit aufzuhören, antworten sie „Wir denken darüber nach, einer von ihnen einen Heiratsantrag zu machen.“

 

Das Anschauen eines potentiellen Ehemannes durch die Frauen

Die Frau hat ebenfalls das Recht ihren potentiellen Ehemann anzusehen. Viele Gelehrte haben gesagt, dass „die Frauen dieselben Dinge mögen, die wir mögen“. Einige haben sogar gesagt, dass es WICHTIGER für die Frau ist, den Mann zu sehen. Dies ist deshalb so, weil dem Mann das Recht auf die sofortige und bedingungslose Scheidung obliegt, im Falle, dass er mit seiner Frau unzufrieden ist. Es ist für eine Frau nicht so leicht, aus einer Ehe herauszukommen, deshalb muss sie den Vorrang in dieser Sache haben.

 

Allein sein (Khalwa) mit einem potentiellen Ehepartner und andere Fragen

Kann ein Mann mit seiner „Verlobten“ allein sein?

Noch einmal, egal welche Worte, Versprechungen, Zugeständnisse, usw. die Parteien ausgetauscht haben, es gibt überhaupt keine Beziehung zwischen ihnen und sie sind sich gegenseitig fremd, wie jeder andere fremde Mann und jede andere fremde Frau, bis der Ehevertrag abgeschlossen wurde und der Mann und die Frau tatsächlich verheiratet sind.

Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) hat es verboten, dass ein Mann und eine Frau zusammen allein sind. Diese Regel trifft auf „Verlobte“ genauso zu, wie auf alle anderen unverwandten Männer und Frauen. Einer der Ahadith, welcher dies verdeutlich, ist folgender:

„Ein Mann und eine Frau können nicht allein sein, außer mit einem männlichen Verwandten [von ihr].“ [Bukhari & Muslim]

 

Berührungen

Es ist offensichtlich, da zwischen jenen, welche heiraten wollen, keine rechtmäßige Beziehung wie zu jedem anderen fremden Mann und zu  jeder anderen fremden Frau haben, jegliche Form von Berührungen verboten ist. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Es wäre für einen von euch besser, er wäre mit einer eisernen Nadel auf seinem Kopf gestochen worden, als dass er eine Frau berührt, die für ihn nicht zulässig ist.“ [At-Tabarani – Sahih] * wobei die Mehrheit der Gelehrten das Wort "berühren" im arabischen Sprachgebrauch auf Geschlechtsverkehr zurückführen sowie es der Quran an vielen Stellen tut.

 

Telefonanrufe

Alle Gelehrten haben darauf hingewiesen, dass es für die „Verlobten“ nicht anständig und akzeptabel ist, zusammen allein zu sein oder zahlreiche Treffen mit dem Ziel „sich kennenzulernen“ zu haben. Tatsächlich ist dies eine schreckliche Erfindung, welche weit verbreitet unter den Muslimen ist. Man muss sich immer daran erinnern, dass sie wie jeder unverwandte Mann und jede unverwandte Frau zueinander sind, bis sie geheiratet haben, und ihre Handlungen müssen dies zeigen.

Es ist offensichtlich, dass es nicht erlaubt ist allein zu sein, Telefonkonversationen oder Internet-Chats mit unverwandten Männern oder Frauen zu führen, um „sich kennenzulernen“. Jene, die beabsichtigen zu heiraten, aber noch unverheiratet sind, sind in genau der gleichen Situation. Solch ein Ungehorsam im Zuge der Suche nach einer Handlung des Gehorsams (Ehe), welche sehr den Segen Allahs benötigt, kann danach schwerwiegende und dauerhafte Auswirkungen auf die Zerstörung der ehelichen Beziehung haben. Das ist ganz deutlich das Ergebnis des ähnliches „Experiments“, welches in westlichen Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten praktiziert wird: je mehr sie diese Angelegenheiten „öffnen“, desto katastrophaler werden ihre Ehen. In letzter Zeit ist die Erfolgsquote von Ehen in den USA auf unter 50% gefallen. Dies passiert, trotz der vollständigen Freiheit des Paares sich „kennenzulernen“ in JEGLICHER Hinsicht und so lange wie sie es vor der Ehe wünschen. Muslime – von denen die meisten denselben Weg einschlagen – müssen aufwachen und dem Beachtung schenken. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Ihr werdet dem Weg derer folgen, die vor euch kamen, Fuß um Fuß, Yard um Yard und selbst wenn sie in das Loch einer Eidechse hinuntergehen, wirst du ihnen folgen.“

 

Der Unterschied zwischen „Verlobung“ und dem Herauszögen der Vollziehung der Ehe

In vielen muslimischen Ländern schließen die Leute den Ehevertrag ab, stimmen aber zu, die Ehe nicht vor einer bestimmten Zeit zu beginnen. Es ist nichts Falsches an dieser Gepflogenheit, unter zwei Bedingungen:

 

Die Zeitspanne ist nicht übermäßig lang.

Alle Parteien sind sich bewusst, dass die Übereinkunft der beiden, welche rechtmäßig verheiratet sind, das Zusammensein hinauszuzögern, nicht bindend ist und dass nichts falsches darin ist, wenn sie ihre Meinung ändern und sich dazu entscheiden vor der verabredeten Zeit zusammen zu sein. 

Dies unterscheidet sich sehr von der Gepflogenheit der „Verlobung“.  Die einzige Parallele zu dieser westlichen Sitte, welche viele Muslime übernommen haben, ist, was „Khitba“ genannt wird, welches die Zeit des Beginns der Gespräche und die Annahme oder Ablehnung des Antrags ist. Kurz gesagt, hat diese Praxis keine rechtmäßige Gültigkeit und ändert nichts an der Beziehung zwischen dem Mann und der Frau. Wenn dies zu einer sehr langen Zeitspanne oder noch schlimmer, das Missachten der Scharia während dieser Zeit, in einer Art und Weise, wie wir sie erörtert haben, ausgedehnt wird, ist dies eine abscheuliche Neuerung (Bidah), welche sich unter den Muslimen verbreitet hat.

 

Empfohlene Schritte

Die folgenden Schritte sind wichtig, nicht nur für die, die interessiert daran sind zu heiraten, sondern auch für alle anderen, welche an dem Vorgang, die Eheschließung zu erleichtern, beteiligt sind. Der ganze Vorgang, damit er erfolgreich ist und Allahs Segen darin liegt, sollte angemessen und in Übereinstimmung mit den Lehren aus Quran und Sunna sein. Alle anderen Unternehmungen führen zu Elend und Zerwürfnissen.

Beide Ehegatten sollten danach streben, bloß um Allahs Wohlgefallens wegen zu heiraten und um den Zweck der Ehe im Islam zu erfüllen.

Beide müssen voll und ganz Allah vertrauen, dass, wenn sie alles in angemessener Weise und in Übereinstimmung mit der Scharia machen, Allah sie mit einem guten Ehepartner segnet und dass alle anderen Herangehensweisen falsch sind und nicht zu Allahs Segen und zu Erfolg in der Ehe führen.

Sie sollten Dua zu Allah für einen frommen Ehegatten machen, der ihnen in ihrem Islam und ihrer Anbetung hilft.

Sie sollten sehr geduldig sein. Der Vorgang einer Eheschließung kann manchmal sehr lange dauern, besonders in Gegenden, wo die Muslime eine kleine Minderheit sind.

Wenn eine Person muslimische Eltern hat, sollte sie ihre Hilfe ersuchen um einen Ehegatten zu finden. Wenn nicht, sollten sie sich Hilfe von verheirateten Muslimen und Musliminnen ersuchen.

Wenn eine Person gefunden wurde, sollten sie Rat von verschiedenen Leuten einholen, die mit der Person vertraut sind.

Sie sollten den potentiellen Ehegatten sehen und vielleicht mit ihm reden (nicht allein).

Man sollte relevante Fragen stellen und die islamische Gründung einer Ehe verdeutlichen.

Beide sollten Istikhara beten um Allahs Rat zu ersuchen.

Vor dem Ehevertrag sollten alle Verhandlungen mit dem Wali gemacht werden und es sollte kein Versuch unternommen werden, eine Beziehung mit dem zukünftigen Ehepartner vor der Ehe anzufangen.

Sie sollten alle Neuerungen, welche die Ehe umgeben und so weit unter den Muslimen verbreitet sind, vermeiden.