VII – Die Bekanntgabe

 

Öffentliche Bekanntgabe, Hochzeitsfeier (Walimah), Etiquette des Zusammenkommens

 

Öffentliche Bekanntgabe der Hochzeit

Die Mehrheit der Gelehrten sagt, dass die öffentliche Bekanntgabe der Hochzeit mustahabb (bevorzugt, aber weniger als verpflichtend) ist, aber authentische Ahadith beweisen, dass es Pflicht ist. Es ist niemals erlaubt, der Meinungen von Gelehrten oder Imamen zu folgen, wenn es einen authentischen und deutlichen Hadith gibt, der das Gegenteil zeigt. Alle vier Imame und andere Gelehrte verboten uns, dies mit ihren Meinungen zu tun. Az-Zuhri sagt, dass die Bekanntgabe Pflicht ist und erklärt, dass, wenn zwei Leute heimlich mit zwei Zeugen heiraten und sie die Zeugen bitten, es geheim zu halten, sie sofort getrennt werden sollten und die Frau muss einen 'iddah warten und ihre Brautgabe erhalten. Wie wir vorher sahen, war es Imam Malik's Meinung zu dieser Situation, die beiden zu trennen und ihnen nie wieder zu erlauben einander zu heiraten. Ein wahrscheinlicher Grund für die Meinung vieler Gelehrter, dass die Bekanntgabe weniger als Pflicht ist:

Sie wussten entweder nichts von dem Hadith, der dies verdeutlicht, oder sie wussten nichts von seiner Authentizität.

Geheime Eheschließungen wurden in der anfänglichen Zeit nicht durchgeführt, deshalb hatte die Ankündigung den Anschein eine bloße Gewohnheit zu sein und nicht etwas Spezifisches, was die Scharia befürwortet.

Es gibt eine Reihe Ahadith zu diesem Thema und alle sind hassan. Hassan ist eine Einstufung, die etwas weniger stark als sahih ist. Es ist die Meinung von ahlus-sunnah wa al-jama'a (die Hauptrichtung der Muslime), dass alle Ahadith, die hassan oder sahih sind, bindend für die Muslime, sowohl für Urteile, als auch für Meinungen sind, es sei denn, sie werden von einer stärkeren Beweisform widerliegt. In der Tat zweigt sich die Einstufung hassan von der Einstufung sahih ab – in den frühen Tagen der Hadithwissenschaft waren die Ahadith entweder sahih (gesund) oder dha'if (ungesund). Später wurde hassan als Unterkategorie innerhalb der gesunden Ahadith hinzugefügt. Die folgenden Ahadith zu dem vorliegenden Thema sind alle hassan:

„Gebe die Hochzeit bekannt und verkünde sie.“

„Das, was halal von haram trennt, ist das Schlagen der Duff (Trommel) und Stimmen bei der Hochzeit.“

Wie man sehen kann, sind diese Ahadith eindeutig und sie zeigen deutlich, dass die Meinung von Az-Zuhri' die Richtige ist, nämlich dass die öffentliche Bekanntgabe der Hochzeit Pflicht und ein wichtiger Teil der Hochzeit ist (da es halal von haram trennt).

Was (Trommel-)Schläge und Gesang angeht, so ist es etwas, was der Islam zu bestimmten Anlässen erlaubt hat, nämlich die zwei Eids und die Hochzeitsfeiern. Es gibt verschiedene Ahadith im folgenden Auszug von Albani's Adaab az-Zafaaf (Die Etiquette der Hochzeit), die dies deutlich machen:

 

SINGEN UND SCHLAGEN DER DUFF (SCHMUCKLOSES TAMBORIN)

Es ist dem Ehemann erlaubt, den Frauen die Erlaubnis zu geben zu seiner Hochzeit diese mit dem Schlagen der Duff und mit erlaubtem Singen bekanntzugeben. Erlaubtes Singen ist solches, welches keine Beschreibungen körperlicher Schönheit oder das Nennen jeglicher Sünden enthält. Es gibt verschiedene Ahadith darüber:

Von Ar-Rubai' bint Mu'awwadh wurde berichtet, dass sie sagte: „Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) kam nach meiner Hochzeitsnacht in mein Haus hinein und saß auf meiner Matte, so nah, wie du jetzt neben mir sitzt (der Überlieferer des Hadith von ihr wird hier angesprochen). Dann begannen einige Dienerinnen die Trommel zu schlagen und über die Vorfahren zu singen, die bei der Schlacht von Badr gestorben sind. Dann sagte eine von ihnen: „Und unter uns ist der Prophet, der weiß, was der Morgen für uns bereit hält.“ Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte zu ihr: „Lasse das und geh zurück zu dem, was du vorher gesagt hast.“

Von Aisha wird berichtet, dass sie eine Frau mit zu ihrem Mann nahm, ein Mann aus der Mitte der Ansar. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte zu ihr: „O Aisha, hattest du keinen Gesang (wörtlich: Leichtsinnigkeit) zu deinem Festzug? Wahrlich, die Ansar lieben solche Dinge.“ In einer anderen Version des Hadith wird berichtet, dass der Prophet (Frieden und Segen seinen auf ihm) sagte: „Hast du eine Dienerin mit ihr geschickt um die Trommel zu schlagen und zu singen?“…

Von Aamir ibn Saad Al-Bajliy wird berichtet, dass er sagte: Ich bin bei Qardha ibn Kaab und Abu Masud und (er nannte eine andere Person, an dessen Name ich mich nicht erinnere) eingetreten und sah Dienerinnen die Daff schlagen und singen. Ich sagte: „Seid ihr alle in stillem Einverständnis damit und ihr gehört zu den Gefährten des Gesandten Allahs?! Sie sagten: „Wahrlich, er gab uns die Erlaubnis dafür bei Hochzeitsfeiern und beim Weinen über die Toten, solange es kein Klagen ist.“

Es sollte erwähnt werden, dass keine dieser Ahadith die Erlaubnis für Livebands, das Mischen von Männern und Frauen, Videos und anderem Übel gibt, welches heutzutage praktiziert wird.

 

Die Walimah

Die Walimah ist die „Hochzeitsfeier“. Der Ehemann ist verpflichtet dieses Fest nach dem Ehevertrag  zu sponsern. Dabei ist es Sunna dies drei Tage nachdem Ehemann und Ehefrau zusammen waren, zu machen. Es gibt viele Ahadith zu dieser wichtigen Praxis, darunter:

„Eine Hochzeit muss eine Feier haben.“

Dies wurde zu Ali (möge Allah zufrieden mit ihm sein) gesagt, als er Fatimah, die Tochter des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm) heiratet. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte zu Abdur-Rahman ibn 'Auf in Form eines Befehls:

„Mache eine Walimah, auch wenn sie nur mit einem Schaf stattfindet.“

Was die drei Tage betrifft, so war es die Praxis des Propheten, als er Safiya heiratete:

Von Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde berichtet, dass er sagte: „Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) trat bei seiner Frau ein und schickte mich einige Männer zum Essen einzuladen.“

Von Anas wird auch berichtet, dass er sagte: „Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) heiratete Safiya und ihre Freiheit war ihre Mitgift. Er gab das Bankett nach drei Tagen.“ [Adaab Az-Zafaaf]

Obwohl viele Gelehrte die Walimah als eine stark betonte Sunnahandlung sehen, begünstigen die oben genannten Ahadith und andere die Auslegung, dass es Pflicht ist. In keinem Fall sollte sie auf die leichte Schulter genommen werden, oder ohne triftige Gründe unterlassen werden.

 

Wie viel?

Der Befehl des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm) an Abdur-Rahman ibn 'Auf eine Feier zu geben, „auch mit nur einem Schaf“ scheint, als ob er ein Minimum für die Walimah festlegt. Jedoch ist es gestattet, dass die Walimah einfach ist und kein Fleisch angeboten wird, entsprechend dem folgenden Hadith:

„Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) blieb für drei Tage zwischen Khaibar und Al-Madinah, wo er mit seiner Frau Safiya hingereist war. Dann habe ich die Muslime zu einem Hochzeitsbankett eingeladen. Es gab weder Fleisch, noch Brot bei seinem Bankett. Vielmehr wurden ledernde Essensmatten hervorgeholt und auf sie wurden Datteln, Trockenmilch und Butterschmalz hingestellt. Die Menschen aßen sich satt.“

Fleisch zu servieren ist jedoch eindeutig vorzuziehen, da es eine beständige Sunna des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm) und der Gefährten war und auf dem Befehl des Propheten an Abdur-Rahman beruht. Die Tatsache, dass der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) auf einem Ausflug in der oben erwähnten Überlieferung war, könnte ein Faktor sein, die allgemeine Verwendbarkeit dieses Hadiths zu hinterfragen.

Es ist klar, dass es bei einer Walimah keine Maßlosigkeit oder Verschwendung geben sollte, welche zu jeder Zeit verboten ist. Dies wurde zu einem allgemeingültigen Brauch in den meisten muslimischen Ländern und es ist eine üble Praxis, welche aufhören sollte. Mehr Essen zu machen, als es möglicherweise verzehrt werden kann und zu verschwenden, was übrig bleibt, ist eine Form von Tabdhir (Verschwendung und Zerstörung von Vermögen), worüber Allah gesagt hat:

„Und gib dem Verwandten, was ihm gebührt, und ebenso dem Armen und dem Sohn des Weges, aber sei (dabei) nicht ausgesprochen verschwenderisch. (26) Denn die Verschwender sind Brüder der Satane, und Satan war undankbar gegen seinen Herrn.“ [der edle Quran 17:26-27]

 

Wen einladen?

Wenn die Walimah gegeben wird, sollten Familie, Freunde und Nachbarn eingeladen werden. Es ist auch empfehlenswert, einen Teil des Essens als Sadaqa zu geben, aus Dankbarkeit für Allahs Segen auf der Ehe. Es ist sehr wichtig NICHT nur die reichen oder einflussreichen Leute einzuladen und die Armen zu ignorieren. Vielmehr sollte der Fokus darauf liegen, die besten Muslime, die man kennt, einzuladen, unabhängig von ihrem „sozialen“ Stand. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Das übelste Essen ist das der Walimah. Die Reichen werden dazu eingeladen, aber die Armen werden ausgeschlossen. Und derjenige, der die Einladung ignoriert, hat Allah und seinem Gesandten den Gehorsam verweigert.“ [Bukhari]

Daraus wird deutlich, dass wenn man zu einer Walimah eingeladen ist und damit kein Ungehorsam praktiziert wird, es dann Pflicht ist, der Einladung Folge zu leisten, wenn man keine gültige Entschuldigung hat. Dies wird auch speziell in folgendem Hadith deutlich:

„Wenn einer von euch zu einer Walimah eingeladen ist, soll er gehen.“ [Bukhari & Muslim]

 

Was ist, wenn man fastet?

Wenn man ein Pflichtfasten vollzieht, sollte man der Einladung trotzdem Folge leisten, aber sich des Essens enthalten und Dua für den Gastgeber machen. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte zu einem Mann, der der Feier fern blieb, weil er fastete:

„Wenn einer von euch zu einem Essen eingeladen ist, soll er dem Folge leisten. Wenn er nicht fastet, lasse ihn essen. Wenn er fastet, lass ihn bitten (für den Gastgeber).“ [Muslim]

Wenn man ein freiwilliges Fasten vollzieht, hat man die Wahl. Man kann sein Fasten brechen und teilnehmen (vor allem wenn der Gastgeber dies wünscht), oder man kann weiterfasten und für den Gastgeber beten. Wenn man ein freiwilliges Fasten bricht, ist es nicht notwendig, es nachzuholen.

 

Zulässige Entschuldigungen für die Nichtteilnahme

Alles, was es erlaubt, nicht am Gebet in der Moschee teilzunehmen, wie Krankheit, weite Entfernung etc.

Man sollte an einer Walimah nicht teilnehmen, wo üble Praktiken begangen werden, wie das Mischen der Geschlechter, Musik, Alkohol, etc. Nur wenn man die Fähigkeit hat, solches Übel aufzuhalten, sollte man zu diesem Zwecke teilnehmen.

Es ist zulässig, nicht teilzunehmen, wenn nur die Reichen eingeladen werden und die Armen ausgeschlossen werden, denn dies beschrieb der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) als „übelstes Essen“.

Laut Ibn Taimia sollte eine Person nicht die Einladung einer anderen Person annehmen, wenn diese nicht betet.

 

Grußworte an den Bräutigam

Die Gäste sollten Dua für den Bräutigam und seine Braut machen und Allah bitten, ihn zu segnen. Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte immer zum Bräutigam:

„Möge Allah dich segnen, den Segen für dich gewähren und euch zwei in allem was gut ist verbinden.“ [Abu-Daud und andere – Sahih]