IX – Das eheliche Zerwürfnis

 

Nushuz (Eheliches Zerwürfnis)

Allah der Erhabene segnete seine Ummah mit dem umfangreichsten und perfekten Gesetz, welches jemals den Menschen gegeben wurde – die Sharia. Dieses Gesetz versäumte es nicht, uns Lösungen für eines der am häufigsten alltäglichen Probleme des menschlichen Lebens anzubieten: Probleme zwischen Ehemann und Ehefrau. Selbst wenn beide, der Ehemann und die Ehefrau, fromm und praktizierende Muslime im allgemeinen Sinne sind, bringt die Ehe zusätzliche Prüfungen mit sich, welche viele nicht so gut bestehen, wie sie sollten. Sie könnten dann anfangen, ihre Pflichten in der Ehe nicht mehr zu erfüllen und sich nicht mehr gegenseitig so zu behandeln, wie sie es im Islam sollten. Wenn dies passiert, hat Allah verschiedene Vorgänge festgelegt, welche die Eheleute (und möglicherweise andere, die ihnen helfen) durchlaufen sollen um zu versuchen, die Lage zu verbessern. Im Gegensatz zu einigen unwissenden „Religionen“, welche von Menschen zusammengebraut wurden, erkennt der Islam auch an, dass es Situationen geben kann, wo eine Lösung nicht möglich ist und eine Beendigung der Ehe vorzuziehen ist – durch Scheidung oder andere Mittel.

Wenn einer der Ehepartner widerspenstig ist, nennt man dies Nushuz seitens dieses Ehepartners, egal ob Ehemann oder Ehefrau. Im restlichen Kapitel werden wir das Wesen von Nushuz erörtern und einige Schritte, welche unternommen werden sollten, wenn dies auftritt.

 

Die Bedeutung von Nushuz

Die linguistische Bedeutung von Nushuz ist „aufstehen“.

An-Nushuz kann seitens der Ehefrau oder des Ehemannes sein oder beide können behaupten, dass es vom jeweils anderen herrührt. Hier sind einige der Definitionen, welche die Gelehrten dafür verwendet haben:

  • „Jeder Ehegatte verletzt und verhält sich feindlich dem anderen gegenüber.“
  • „Es ist ein Hass von einem der Ehegatten dem anderen gegenüber, oder von beiden für den jeweils anderen.“
  • „Beide Ehegatten unterscheiden sich von einander.“
  • „An-Nushuz ist der Hass jedes Ehepartners für den anderen und die gegenseitige Behandlung in einer unzulässigen Art und Weise.“

Wenn man diese Definitionen betrachtet, sieht man, dass sie alle ähnlich in ihrer Bedeutung sind und zeigen, dass An-Nushuz von beiden Ehepartnern ausgehen kann, aufgrund von Ungehorsam, Hass, Gegensätzlichkeit, Zurückhaltung, Härte, Aggression, usw.

 

An-Nushuz seitens der Ehefrau

Hier sind einige Definitionen von Gelehrten über Nushuz, wenn es von der Frau begangen wird:

  • „Es trifft zu, wenn die Frau das Haus des Ehemannes ohne seine Erlaubnis verlässt und wenn sie ihren Ehemann von sich fernhält ohne ein ordnungsgemäßes Recht dazu.“
  • „Es trifft zu, wenn die Frau von dem pflichtgemäßen Gehorsam ihres Mannes gegenüber abweicht, wenn sie ihn von sich im Bett fernhält, wenn sie das Haus ohne seine Erlaubnis verlässt um zu einem Ort zu gehen, bei dem sie weiß, dass er ihr es nicht erlauben würde, wenn sie die Rechte Allahs über sie außer Acht lässt, zum Beispiel das Verrichten der Reinigung durch Ghusl oder das Fasten im Ramadan, und wenn sie die Tür vor ihrem Mann verschließt, ihm den Eintritt verwehrend.“
  • „Es trifft zu, wenn die Ehefrau ihrem Mann gegenüber ungehorsam ist, indem sie sich selbst über das erhebt, was Allah von ihr verlangt und über das Erfüllen ihrer erforderlichen Pflichten.“
  • „Es ist der Ungehorsam der Ehefrau gegenüber dem Ehemann, welcher jene Handlungen des Gehorsams betrifft, die für sie aufgrund der Rechte der Ehe Pflicht sind.“
  • „Es trifft zu, wenn die Frau sich selbst über ihren Ehmann erhebt und sie sich anders ihm gegenüber verhält, in dem Sinne, dass sie ihm nicht gehorcht, wenn er sie in sein Bett ruft oder sie das Haus ohne seine Erlaubnis verlässt und so weiter. Es trifft zu, wenn sie ihrem Ehemann ihren Gehorsam vorenthält.“

 

Von all den verschiedenen Definitionen ist erkennbar, dass Nushuz seitens der Ehefrau sich um vier Merkmale dreht:

  • Sie verschönert sich nicht für ihren Ehemann, wenn dieser sich es von ihr wünscht.
  • Sie gehorcht ihrem Ehemann nicht und kommt nicht in sein Bett und lehnt es ab auf seine Rufe zu antworten.
  • Sie verlässt das Haus ohne seine Erlaubnis oder ohne ein gültiges Recht, dies zu tun.
  • Sie übt ihre verbindlichen religiösen Pflichten nicht aus, wie beispielsweise das Unterlassen des Verrichtens einiger Gebete, das Unterlassen des Fastens im Ramadan, das Unterlassen der Bedeckung ihrer Aura oder jegliche andere verpflichtende Handlung im Islam.

 

Nushuz seitens des Ehemannes

Die Rechtsgelehrten haben Nushuz seitens des Ehemannes wie folgt definiert:

  • „Es trifft zu, wenn der Ehemann seine Frau hasst und ihr Leid zufügt.“
  • „Der Ehemann verletzt seine Frau und fügt ihr Leid zu, indem er sie boykottiert, sie in einer Art und Weise schlägt, welche das Gesetz nicht vorsieht, sie reizt, sie misshandelt, sie beschimpft, zum Beispiel sie verflucht und beleidigt, usw.“
  • „Wenn der Ehemann seine Frau verletzt, indem er sie schlägt um ihr Leid zuzufügen oder indem er sich ihr sehr schlecht gegenüber verhält.“
  • „Es trifft auf ihn zu, wenn er ihr Leid durch Schläge hinzufügt, oder indem er ihr Leben schwer macht, oder indem er sie davon abhält, ihre Rechte durchsetzen zu können, zum Beispiel die richtige Trennung von Mitfrauen, Versorung usw.“

 

Wenn also Nashuz seitens des Ehemannes begangen wird, dreht es dich um die folgenden Punkte:

  • Der Ehemann erhebt sich in falscher Weise über sie und stellt sich in arroganter Weise über sie und über die Verpflichtungen, welche Allah ihm auferlegt hat ihr gegenüber.
  • Er verletzt sie, in dem er sie schlägt, ihr Schaden zufügt, sie beschimpft, sie misshandelt und sie nicht richtig behandelt.
  • Er scheitert an seinen verbindlichen Verpflichtungen ihr gegenüber, wie beispielsweise Unterstützung usw.
  • Er wird ihr zurückhaltend gegenüber und gleichgültig gegenüber, indem er sie in Gesprächen oder im Bett boykottiert und sich weigert mit ihr zu sprechen, usw.

 

Arten von Fällen von Nushuz

Es gibt drei verschiedene Fälle von Nushuz, wie Allah es uns in seinem Buch deutlich gemacht hat.

Der erste Fall ist, wenn Nushuz seitens der Frau begangen wird. Dieser Fall und seine Lösung wurden im Quran genannt, in dem Vers, welcher vorher diskutiert wurde:

„…Und diejenigen Ehefrauen, deren böswillige trotzige Auflehnung ihr fürchtet, diese sollt ihr (zunächst) ermahnen, dann in den Ehebetten meiden und (erst danach) einen (leichten) Klaps geben! Und sollten sie wieder auf euch hören, dann unternehmt nichts mehr gegen sie. Gewiss, Allah ist Allhöchst, Allergrößt.“  [der edle Quran 4:34]

Der zweite Fall von Nushuz ist seitens des Ehemannes. Dies wurde ebenfalls im Quran genannt:

„Und wenn eine Frau von ihrem Ehemann rohe Behandlung oder Gleichgültigkeit befürchtet, so soll es keine Sünde für beide sein, wenn sie sich auf geziemende Art miteinander versöhnen; denn Versöhnung ist gut. Die Menschen sind auf Habsucht eingestellt. Tut ihr jedoch Gutes und seid gottesfürchtig, dann ist Allah eures Tuns kundig.“ [der edle Quran 4:128]

Der dritte Fall ist, wenn Nushuz (hauptsächlich im Sinne von ‚ablehnen‘ und ‚sich abwenden‘) von beiden, dem Ehemann und der Ehefrau, begangen wird. Dies wird in folgendem Vers genannt:

„Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann sendet einen Schiedsrichter von seiner Familie und einen Schiedsrichter von ihrer Familie. Wollen sie sich aussöhnen, so wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.“ [der edle Quran 4:35]

 

Die Mittel gegen Nushuz seitens der Ehefrau

Wenn eine Frau im Zustand von Nushuz ist, kann der Ehemann dies mit folgenden drei Schritten angehen:

  • Ermahnung und Leitung
  • Boykott
  • Sie schlagen

 

Es folgt eine detaillierte Erörterung zu jedem der drei Punkte.

Der Erste Schritt: Verbale Ermahnung und Leitung

Die erste Sache, die ein Mann tun sollte, wenn seine Frau Nushuz oder die Schritte, die dahin führen, begeht, ist zu versuchen, sie verbal zu ermahnen, indem er Quran und Sunna benutzt um sie an ihre Pflichten Allah und ihrem Ehemann gegenüber zu erinnern. Allah sagt:

„Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie…“ [der edle Quran 4:34]

Ermahnung ist eine Heilung, die sanft und mild ist. Ihr Ziel ist es Entfremdung und Empörung durch Liebe, Mitgefühl und Zusammengehörigkeit im Gehorsam gegenüber Allah dem Erhabenen, zu ersetzen. Alle der früheren und späteren Gelehrten stimmten überein, dass diese Ermahnung nur so lange gilt, wie sie im Einklang mit der Sharia ist. Ansonsten hat der Ehemann kein Recht dazu, ganz nach dem Prinzip: „Es gibt keinen Gehorsam gegenüber den Erschaffenen, wenn es mit Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer einhergeht.“ (sahih Hadith). Es folgen einige Definition von Gelehrten zur Ermahnung (Mauidha):

  • „Jemand über das Ergebnis seiner Handlungen beraten und erinnern.“
  • „Die Menschen in einer Art und Weise erinnern, welche ihre Herzen weich macht, indem man sie an die Belohnungen und Bestrafungen erinnert.“
  • „Der Ehemann bringt sie dazu, Allah zu fürchten. Er erinnert sie daran, was Allah ihr zur Pflicht gemacht hat, seine Rechte und den Gehorsam betreffend. Ihr müssen die Folgen ihrer Sünde und ihres Ungehorsams aufgezeigt werden und wie sie dann ihr Recht auf Lebensunterhalt und Bekleidung einbüßt. Und es muss ihr gesagt werden, wie es ihm dadurch erlaubt ist, sie zu schlagen und zu boykottieren.“

 

Von der Sunna ist überliefert, dass der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Wenn ihr Nushuz ihrerseits befürchtet, ermahnt sie, boykottiert sie in ihren Betten und schlagt sie in einer Weise, die nicht schädlich ist…“ [Musnad Ahmad]

Die Gefährten, die Nachfolger und alle, die nach ihnen bis zum heutigen Tag kamen, stimmen darüber ein, dass diese Ermahnung eine rechtmäßige Sanktion ist, wenn die Ehefrau Nushuz begeht. Niemand hat dies jemals zurückgewiesen und es ist ein Punkt des Konsens.

 

Der zweite Schritt: Boykott und Vermeidung

Manchmal hat die verbale Ermahnung keine Auswirkung auf die Beendigung ihres Zustands der Entfremdung und des Ungehorsams. In der Tat kann es ihre Zurückhaltung aufgrund einiger Gefühle, die sie überkommen haben, verstärken, es ist eine trotzige Reaktion oder vielleicht wurde sie durch ihre Position, ihren Wohlstand und ihre Schönheit irregeführt, weil sie sich besser als ihn findet. Der Ehemann hat eventuell teilweise Schuld daran, wenn er seinen eigenen Emotionen erlaubt, störend auf die bestmöglichste Ermahnung seiner Ehefrau einwirkent. In jedem Fall ist der nächste Schritt ihre Widerspenstigkeit zu beenden, sie zu boykottieren und sie „im Bett“ zu meiden.

Sprachlich gesehen bedeutet „boykottieren“ (al-hajr) „vermeiden, sich abgrenzen und keinen Kontakt mit der Person haben, die boykottiert wird.“ Allah empfiehlt dies und benutzt die zusätzliche Formulierung „in Schlafplätzen“ (fiy al-madhaji). Dies kann entweder bedeuten, dass er sie komplett meidet und irgendwo anders schläft, oder es kann bedeuten, dass sie im selben Bett schlafen, er sich aber von ihr fernhält und nicht mit ihr spricht, usw.

Der Quran, die Sunna, der Konsens der Gelehrten und die gesunde Vernunft zeigen seine Zulässigkeit und dass es eine der Mittel ist, die entfremdete Frau zu disziplinieren, wenn eine verbale Ermahnung kein positives Ergebnis mit sich bringt. Allah sagt:

„… und meidet sie im Ehebett…” [der edle Quran 4:34]

Imam Ahmad berichtet in seinem Musnad, dass der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sich von seinen Frauen für einen Monat trennte. (Auch wenn es NICHT aus Gründen des Nushuz war, zeigt es dennoch die Zulässigkeit dieser Handlung.) Die Rechtsgelehrten stimmen darüber ein, dass es zulässig ist, wenn es die Frau dahin führt, ihr Handeln zu korrigieren und zu einer ordnungsgemäßeren Führung zurückzukehren. Es ist eine Methode, die bei einer Frau wirkt, die ihren Mann liebt.

Der Vers in der Sure An-Nisa ist nicht eindeutig in Bezug darauf, ob es bedeutet, das Bett und das Schlafzimmer komplett zu meiden und woanders zu schlafen, oder ob es bedeutet, sie IM Bett zu meiden. Die letztere Methode wird bevorzugt, denn es vermeidet, dass das Problem den Kindern und anderen Familienmitgliedern bekannt wird und da eine positivere Atmosphäre für eine tatsächliche Aussöhnung darin liegt.

Der Boykott kann das Boykottieren in Gesprächen beinhalten, aber es sollte nicht länger als drei Tage anhalten, gemäß des Hadiths in Sahin Muslim: „Es ist einem Muslim nicht erlaubt, seinen Glaubensbruder für mehr als drei Nächte zu boykottieren.“

Was das Boykottieren von ihr im Bett betrifft, so kann es so lange anhalten, solange er glaubt, dass es noch zu einem Ende ihrer Nushuz Handlungen führt, aber es sollte in keinem Fall vier Monate überschreiten. Das ist die stärkste Meinung unter den Äußerungen der Gelehrten. Dies basiert auf die Zeitbegrenzung, die Allah für Al-Ilaa festgesetzt hat – wobei ein Mann einen Eid schwört, die Beziehung mit seiner Frau abzubrechen. In der Jahiliya gab es keine Begrenzung dafür, so dass ein boshafter Mann seine Ehefrau „hängen lassen“ könnte, in dem sie keine Beziehung zu ihm hat, aber auch nicht geschieden wird für so lange wie er möchte. Allah hat dies auf vier Monate begrenzt, indem er sagt:

„Diejenigen, die Enthaltsamkeit von ihren Frauen beschwören, sollen vier Monate warten. Wenn sie sich dann von ihrem Schwur entbinden wollen, ist Allah wahrlich Allverzeihend, Barmherzig.“ [der edle Quran 2:226]

Die Ehefrau, die ihre Art nach vier Monaten des Boykotts nicht verbessert, wird auch ihre Art danach nicht verbessern. Sie verdient die Scheidung und es gibt keinen Grund diese „aufgeschobene“ Situation noch länger fortzusetzen. Dies ist so, weil ihre fortdauernde Entfremdung und unkooperativen Haltung, auch wenn sie sich voll bewusst ist, dass es in einer Scheidung endet, zeigt deutlich, dass sie keine Bereitschaft hat, auf den stattfindenden Prozess zu reagieren und zu einer richtigen islamischen Ehe zurückzukehren. Letztendlich kann man sagen, dass sie nicht in der Lage sein wird, mit ihrem Ehemann in einer angemessenen und liebenswürdigen Weise zu leben.

 

Der Dritte Schritt: Sie Schlagen

In einigen Fällen erfordert die Lösung des Problems einige Härte. Dies ist so, da einige Leute nicht durch gutes Benehmen und sanfte Ermahnung allein dazu gebracht werden können, ihr Verhalten richtigstellen, wenn sie falsch gegangen sind. Güte und Sanftheit machen solche Leute  noch arroganter und ignoranter. Einige solcher Leute reagieren auf Härte, indem sie sich beruhigen und ihren Trotz beenden. Allgemein gesprochen ist es einem Mann nicht empfohlen, jemals seine Ehefrau zu schlagen und es ist überliefert, dass der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) über diejenigen sagte, die es taten, dass „sie nicht die Besten unter euch sind“.

Jedoch kann es in manchen Fällen eine nutzbringende Heilung sein, wenn man auf Härte, inklusive Schläge, zurückgreift, welche die Partner in der Tat zu Liebe und Mitgefühl zurückbringt. In diesen Fällen kann es eine positive Heilung und eine spirituelle Disziplin sein. Es ist nicht als Mittel zur Rache oder zur Bestrafung gedacht. Jeder, der in dieser Weise Gebrauch davon macht, begeht eine Sünde und verstößt gegen die Rechte seiner Frau. Stattdessen ist es dafür gedacht, wiederherzustellen, was nicht angemessen geworden ist und um der Zerrüttung ein Ende zu machen.

 

Die Mittel gegen Nushuz seitens des Ehemannes

Der Islam sieht Mittel für Fälle von Nushuz seitens des Ehemannes vor, in einer Weise, welche im Einklang mit ihren Gefühlen und Empfindungen als Frau und ihre jeweiligen Aufgaben, Rechte und Pflicht als Ehemann und Ehefrau sind. Sie kann die Gründe für sein Verhalten suchen und ihn mit dem Islam ermahnen, indem sie versucht, die Dinge zwischen ihnen wieder richtig zustellen. Jedoch hat der Islam ihr nicht das Recht gegeben, sich dem Problem zu stellen, indem sie ihn boykottiert oder schlägt, so wie es dem Mann erlaubt ist. Das liegt daran, weil ihre Natur anders als die des Mannes ist und weil sie nicht dieselbe Art Macht und Autorität in der Ehe hat, wie er. 

 

Sie sollte einen oder alle der folgenden Schritte nutzen:

  • Versuchen, die Gründe für seine Entfremdung und/oder sein schlechtes Verhalten herauszufinden.
  • Ihren Ehemann ermahnen und ihn an seine Verantwortung vor Allah seiner Frau gegenüber erinnern, zum Beispiel gutes Benehmen und eine freundliche Behandlung.
  • Versuchen ihren Mann zu erfreuen, um die Dinge wieder gerade zu rücken. Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass sie ihm Freundlichkeit und Interesse entgegenbringt und es kann auch einschließen, dass sie ihre eigenen Rechte beilegt um der Harmonie willen.

 

„Und wenn eine Frau von ihrem Ehemann rohe Behandlung oder Gleichgültigkeit befürchtet, so soll es keine Sünde für beide sein, wenn sie sich auf geziemende Art miteinander versöhnen; denn Versöhnung ist gut.“ [der edle Quran 4:128]

Wenn ihr klar wird, dass die Zeichen von Nushuz sich erhärten und er sich von ihr abwendet aufgrund von Abneigung ihr gegenüber oder wenn er sich wünscht, weg von ihr zu gehen, dann ist es für keinen von beiden eine Sünde, wenn sie „Bedingungen des Friedens erarbeiten“. Dies bedeutet, dass sie einige Rechte aufgibt, damit die Ehe bestehen bleibt. Sie kann zum Beispiel einige ihrer Rechte wie Unterstützung, Unterkunft oder Gleichheit der Nächte mit anderen Ehefrauen aufgeben, um unter seinem Schutz und in der  Ehe zu bleiben. Oder sie gibt einen Teil oder die ganze Mitgift auf, als Tausch, dass er sie scheidet.

Ibn Abbas sagte: „Saudah befürchtete, dass der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sich von ihr scheiden würde und sagte zu ihm: „O Gesandter Allahs, scheide dich nicht von mir, sonder behalte mich und gibt meinen Tag Aischa.“ Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) tat dies und  der Vers wurde darüber offenbart. [Bukhari]

'Umar sagte: “Für welche Punkte sie sich auch entscheiden, so sind sie zulässig.” [Al-Baihaqiy]

 

Das Allgemeine Mittel: Ernennung von Schiedsrichtern

„Schlichtung durch einen Schiedsspruch“ (At-Tahkim) bedeutet zu urteilen oder eine Sache zu entscheiden. Al-Hakam (welches in dem Vers genannt wird) ist derjenige, der das Recht hat, eine Regel oder eine Entscheidung für die beiden streitenden zu treffen. Die Bedeutung, Schiedsrichter zu ernennen ist in diesem Fall:

„Die zwei streitenden Ehepartner ernennen zwei Männer aus ihren jeweiligen Familien, damit sie eine Übereinkunft zwischen beiden herbeibringen und ihren Streit beilegen.“

 

Die Regeln bezüglich solch eines Schiedsverfahrens

Die Gelehrten stimmen darüber ein, dass zwei Schiedsrichter ernannt werden sollten, wenn zwischen den beiden Eheleuten Meinungsverschiedenheiten herrschen und wenn nicht klar ist, wer von den beiden Nushuz begeht, oder ob beide es tun, wobei der Ehemann sich weigert, seine Frau in einer guten Art und Weise zu behalten oder sie in guter Art und Weise zu entlassen und/oder die Ehefrau sich weigert, die Rechte zu erfüllen, die Allah von ihr ihrem Ehemann gegenüber verlangt.

Die Rechtsgelehrten sind sich auch einig darüber, dass einer der Schiedsrichter von der Familie des Ehemannes und der anderen von der Familie der Ehefrau sein sollte, falls dies möglich ist. Wenn dies nicht möglich ist, können andere Leute, je nachdem was im besten Interesse der Betroffenen ist, ernannt werden. Sie stimmen auch zu, dass wenn sie derselben Meinung sind, sie das ausführen, was sie für die beste Meinung halten um eine Vereinbarung zwischen den Eheleuten zu erreichen. Wenn sie sich jedoch nicht einig sind, dürfen ihre Meinungen nicht ausgeführt werden.

 

Der Beweis

Wenn die Eheleute nicht zu irgendeiner Übereinkunft zwischen ihnen kommen und eine Trennung sich abzuzeichnen droht, so ist es für die die Verantwortlichen, einem Machthaber oder einem Richter, erlaubt zwei Schiedsrichter zu bestimmen, die herausfinden sollen, wie eine Aussöhnung herbei geführt werden kann. Dieser Schritt ist durch den Quran, die Sunna, den Konsens und durch gesunden Verstand bewiesen. Allah sagt (Vers wurde vorher zitiert):

„Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann sendet einen Schiedsrichter von seiner Familie und einen Schiedsrichter von ihrer Familie. Wollen sie sich aussöhnen, so wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.“ [der edle Quran 4:35]

In der Sunna gibt e seine Überlieferung, welche von Ash-Shafi'i in seinem Buch Al-Umm erzählt wurde, von As-Salmani, der sagte: „Ein Mann und eine Frau kamen zu Ali ibn Abi Talib und beide hatten eine Gruppe von Leuten mitgebracht. Ali forderte sie auf, einen männlichen Schiedsrichter aus seiner Familie und einen aus ihrer Familie zu ernennen. Dann sagte er zu den Schiedsrichtern: ‚Wisst ihr, was eure Verantwortung ist? Wenn ihr denkt, dass ihr sie wieder zusammenbringen könnt, dann macht es. Wenn ihr denkt, dass sie getrennt werden sollten, dann macht es.‘ Die Frau sagte: ‚Ich bin mit dem Buch Allahs zufrieden, in Bezug auf, was mit auferlegt wurde und was für mich ist.‘ Der Mann sagte: ‚Was die Trennung betrifft, so werde ich es nicht akzeptieren.‘ Ali sagte ihm: ‚Du lügst, bei Allah, bis zu dieselben Dinge akzeptierst, wie sie.‘“

 

Eigenschaften der Schiedsrichter

Die beiden Schiedsrichter müssen folgende Bedingungen erfüllen:

  • Muslim
  • Erwachsen
  • Geistig in der Lage
  • Männlich
  • Frei
  • Reif im Folgen der Rechtleitung
  • Leute mit Einsicht und Verständnis
  • Gerecht und rechtschaffen
  • Sie müssen Wissen darüber haben, wie man in der Scharia Eheleute wieder vereint oder trennt und mit was sie bevollmächtigt sind.
  • Vertrauenswürdig
  • Deren Absicht muss es sein, allein Allah zufrieden zu stellen
  • Fromm; Fürchten Allah
  • Es ist empfohlen, dass sie von den Verwandten der Eheleute stammen

 

Die Rolle der Schiedsrichter

Die beiden Schiedsrichter spielen eine sehr wichtige Rolle, sie erfüllen einen edlen Zweck und eine große Verantwortung. Sie werden häufig das Ziel der Feindschaft von einem oder beiden Ehegatten und sie sollten gewillt sein, sich dem um Allahs Willen zu stellen. Zu versuchen, Versöhnung oder Harmonie wiederherzustellen, wo Missverständnisse, Unterdrückung und/oder Streit herrscht, ist unter den besten guten Taten. Allah sagt:

„Nichts Gutes ist in vielen ihrer Besprechungen, es sei denn in solchen, die zur Mildtätigkeit oder zur Güte oder zum Friedenstiften unter den Menschen ermahnen. Und wer das im Trachten nach Allahs Wohlgefallen tut, dem werden Wir einen großen Lohn geben.“ [der edle Quran 4:114]

Es ist ein Muss für beide Schiedsrichter keine Mühe zu scheuen, Versöhnung und Harmonie zwischen den Eheleuten wiederherzustellen. Wenn dies nicht möglich ist, haben sie auch die Autorität dazu, die beiden Ehegatten zu trennen, gemäß der stärksten Meinung unter den Gelehrten. In einem Fall, wo es keine Hoffnung mehr zu geben scheint, dass man die beiden zurück zu einer harmonischen Ehe führt, ist die einzige Lösung dann, die beiden Eheleute von einander durch Trennung zu befreien. Ansonsten kann sich die Situation noch verschlimmern und ein noch größeres Leid wird herbeigeführt. Allah befiehlt dem Ehemann:

„Die Scheidung ist zweimal. Dann (sollen die Männer die Frauen) in angemessener Weise behalten oder im Guten entlassen…“ [der edle Quran 2:229]

„Und wenn sie sich trennen, so wird Allah beiden aus Seiner Fülle Genüge tun; denn Allah ist Huldreich und Allweise.“ [der edle Quran 4:130]

 

Die verschiedenen Arten der Trennung

Der Ehevertrag kann durch drei Möglichkeiten erreicht werden: 1) Auflösung des Vertrages durch einen Machthaber oder Richter, 2) Khula und 3) Scheidung. Wenn eine Versöhnung nicht herbeigeführt werden kann, können die Schiedsrichter die beiden durch Khula trennen, wobei die Frau einen Teil oder die Ganze Brautgabe zurückgibt, wenn die Frau nicht an der Ehe festhalten will und der Mann nicht gewillt ist, sie seinerseits zu scheiden. Wenn sie feststellen, dass das Problem von beiden Seiten her besteht und die Unterschiede unvereinbar sind, können sie eine Scheidung einleiten – nach Meinung vieler Gelehrten – auch wenn das Paar, oder einer von ihnen, die Scheidung nicht gefordert hat.

 

Haben die Schiedsrichter die Autorität, das Paar zu trennen?

Diskussion des Themas

Es gibt unterschiedliche Meinungen der Gelehrten darüber, ob die Schiedsrichter das Recht haben, das Paar zu trennen und die Ehe zu beenden. Die Unterschiede drehen sich um folgende Punkte:

  • Eine Meinung besagt, dass die Schiedsrichter nur als Bevollmächtigte der Ehegatten agieren und sie können nicht über das hinausgehen, womit sie beauftragt wurden, ohne vorher eine Erlaubnis von denen zu erhalten, sie sie ernannt haben. Ihre Rolle ist lediglich die beiden zu versöhnen, nicht zu trennen.
  • Eine andere Meinung besagt, dass die Schiedsrichter von einem Richter oder einem Machthaber ernannt wurde, um das Problem zwischen den Eheleuten zu lösen. Sie sind daher selbst wie Richter. Der Richter kann je nachdem, was das Beste ist, entscheiden, ob eine Trennung die beste Lösung ist und dann soll  es so geschehen.

 

Die stärkste Meinung ist, dass die Schiedsrichter wie Richter sind und die Autorität besitzen, die Eheleute zu trennen, egal ob mit oder ohne ihrem Einverständnis.  Ibn Al-Qayyim sagte darüber:

„Es ist sehr erstaunlich zu sagen, dass sie nur Bevollmächtige und keine Schiedsrichter oder Richter sind. Allah gab ihnen die Position der Schiedsrichter oder Richter. Diese Rolle wurde anderen und nicht den Ehegatten gegeben. Wären sie beide nur Bevollmächtigte oder Sachwalter (wakil), welche im Auftrag der Ehegatten tätig sind, würde der Vers heißen „dann sendet einen Bevollmächtigten von seiner Familie und einen Bevollmächtigten von ihrer Familie“. Außerdem, wären sie nur Bevollmächtigte oder Sachwalter, müssten sie nicht von den jeweiligen Familien stammen. Darüber hinaus wurde das Urteilsvermögen in ihre Hände gegeben. Allah sagt „Wollen sie sich aussöhnen, so wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften“. Jedoch haben Bevollmächtigte oder Sachwalter haben keinen freien Willen, sie erfüllen nur, was von ihr Vorgesetzter verlangt. Darüber hinaus wird der Bevollmächtigte (Wakil) niemals als ein Richter oder Schiedsrichter (Hakam) in der Sprache des Qurans, der Sprache des Gesetzes oder der Umgangssprache bezeichnet. Letztendlich hat der Schiedsrichter die Autorität, eine Sache zu entscheiden und diese Entscheidung muss ausgeführt werden. Jedoch trifft beides nicht auf einen Wakil zu…“

Einige der Gelehrten sagen, dass wenn der Machthaber oder sein Stellvertreter zwei Schiedsrichter ernennen, sie keine Rolle spielen, außer herauszufinden, welcher der beiden Parteien falsch liegt, um sie zu beraten und zwischen ihnen eine Versöhnung zu erreichen. Wenn keine Versöhnung erreicht wird, wird die Sache dem Machthaber oder seinem Stellvertreter vorgetragen. Damit bleibt diese Frage mit drei möglichen Meinungen offen:

  • Die Schiedsrichter sind einfach Bevollmächtigte oder Sachwalter, die im Auftrag der Eheleute tätig sind. Dies liegt daran, da das Recht zur Scheidung nur dem Ehemann obliegt und ein anderes Abkommen, außer eine Scheidung, kann nur zustande kommen, wenn die Frau zustimmt.
  • Die Schiedsrichter agieren in der Rolle des Machthabers oder seines Stellvertreters. Der Machthaber kann die Scheidung herbeiführen, wenn ihm das Leid der Ehe deutlich geworden sind.
  • Sie sind nur Zeugen.

Die stärkste Meinung ist, dass die Schiedsrichter wie Richter sind und nicht nur Bevollmächtigte oder Sachwalter. Sie besitzen genauso die Autorität das Paar zu trennen, wie sie die Autorität darüber besitzen, die beiden wieder zu vereinen.