Monogamie und Polygamie
Dr. Bilal Philips

Dieser Artikel wurde nicht zur Verteidigung der Polygamie (Mehr-Ehe) verfasst, da Allah diese ohnehin im Edlen Quran als rechtmäßig festgesetzt hat: „Heiratet von den Frauen die euch gut anstehen zwei, drei oder vier, doch wenn ihr fürchtet nicht gerecht unter Ihnen zu sein, so heiratet eine.“ Darüber hinaus hat uns der Prophet (Frieden und Segen sei auf ihm) in seinem, von Gott geleiteten Lebensstil, demonstriert wie man die Mehr-Ehe in der Praxis umsetzt.

Polygamie wurde von den meisten der bekanntesten Gefährten des Propheten (Frieden und Segen sei auf ihm) sowie von vielen hervorragenden muslimischen Gelehrten, seit der Anfangszeit des Islam bis zum heutigen Tag, praktiziert. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung in den muslimischen Ländern, vor und nach der europäischen Kolonisation, wurde Polygamie angewandt.

Fakt ist, dass erst in der Neuzeit (frühes 20stes Jahrhundert) ein Aufschrei durch die Nicht-Muslime ausgelöst wurde welcher die Institution der Ehe im Islam angreift, da diese die Polygamie anerkennt und Erleichterungen bei der Scheidung mit sich bringt. Sie schlagen vor die islamische Form der Ehe durch die restriktive und unpraktische Monogamie, wie sie im Westen praktiziert wird, zu ersetzen, mit dem Argument, dass dies die einzige gerechte und zivilisierte Form der Ehe sei. Nichts desto trotz wird die Polygamie bis zum heutigen Tag durch einige Muslime in der muslimischen Welt praktiziert.

Nachdem das geklärt wurde, gibt es jedoch einige Punkte der Widersacher des Islam auf die wir näher eingehen möchten. Zum ersten ist die Behauptung, dass die christliche Einführung der Monogamie nicht nur die Rechte der Frau geschützt hat, sondern auch einen zivilisierenden Einfluss auf den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen hatte, völlig falsch. Erstens soll festgehalten werden, dass es keine schriftlichen Hinterlassenschaften von Jesus gibt, in denen er die Polygamie verbietet. Die frühen Christen lebten, der jüdischen Tradition folgend, polygam. Manche der Kirchenoberhäupter beschuldigten die jüdischen Rabbis der Wollust, allerdings stellte sich weder ein Kirchenkonzil in den frühen Jahrhunderten gegen die Polygamie, noch wurde die Praktizierung selbiger in irgendeiner Weise behindert. Es ist eine Tatsache, dass St. Augustin öffentlich verkündete, dass er die Polygamie nicht missbilligt. Luther sprach von der Polygamie mit bemerkenswerter Toleranz und war dafür bekannt den bigamen Status von Philipp von Hesse genehmigt zu haben. Im Jahre 1531 predigten die Anabaptisten, dass ein echter Christ mehrere Frauen geehelicht haben muss. Es gab sogar eine Zeit im Jahr 1650 in der manche der christlichen Führer beschlossen, dass es einem Mann erlaubt sein sollte zwei Frauen zu heiraten. Es ist auch aufgezeichnet, dass die deutschen Reformisten, sogar noch im 16. Jahrhundert, eine zweite und dritte Ehe gleichzeitig mit der ersten im Normalfall anerkannten. Erst nachdem das Christentum durch der Lehre von Paulus revidiert war, wurde das Konzept der Monogamie in der christlichen Philosophie eingeführt um jene der griechisch-römischen Kultur anzupassen.

Griechenland und Rom hatten eine einheitliche Form der Monogamie in den Gesellschaften eingeführt, in denen die Mehrheit der Population aus Sklavenfrauen bestand, die frei für  sexuelle Zwecke zur Verfügung standen. Daher war das was als Monogamie bezeichnet wurde, in Wirklichkeit unbeschränkte Polygamie.

Zweitens, entstand, parallel zur Einführung des Mönchswesens, eine Philosophie die jede Befriedigung der sexuellen Begierden, mit Argwohn und Verachtung betrachtete. Für diejenigen die das Zölibat oder die Enthaltsamkeit als ihren Lebensstil wählten, stellten ihre eigenen sexuellen Triebe die größte Herausforderung dar. Die Werke der ersten Mönche sind gefüllt mit den Beschreibungen ihrer Träume in denen sie von reizvollen Frauen gepeinigt werden. Von viele christliche Heilige wurde berichtet, dass diese fest davon überzeugt waren, in der Nacht von lüsternen und lasziven weiblichen Dämonen, genannt Succubi, gepeinigt worden zu sein. Während andererseits Nonnen und andere christliche Frauen, behaupteten, nachts von ebenfalls reizvollen Gestalten, sogenannt Incubi, heimgesucht worden zu sein die Geschlechtsverkehr mit ihnen hatten. Frauen wurden für Verdorbenheit verachtet und getadelt, die Evas angeblicher Unterwerfung dem Teufel gegenüber sowie ihrer anschließenden Ermutigung Adams vom verbotenen Baum zu essen, basiert. Manche christliche Gelehrte der Vergangenheit interpretierten den Verbotenen Baum als den Sexualakt an sich. Die folgenden Aussagen stammen von heiliggesprochenen Christen und betreffen die Frau: „Die Frau ist die Tochter der Falschheit, ein  Wächter der Hölle, ein Feind des Friedens; durch sie verlor Adam das Paradies (St. John Damascene)“. „Die Frau ist die Waffe des Teufels, ihre Stimme ist wie das Zischen einer Schlange (St.Anthony)“. „ Die Frau trägt das Gift des Rapfens, die Arglist eines Drachens (St.Gregory der Große)“.  Daher wurde Sex als ein, zu Fortpflanzung notwendiger, teuflischer Akt angesehen und als Ursprung für Freude verachtet. Und die akzeptable Form der Ehe wurde auf die einfachste Art reduziert. Die Monogamie.

Es bleibt die Frage warum eine männlich dominierte Gesellschaft der Polygamie so abgeneigt sein sollte, wenn doch eine große Zahl ihrer verheirateten Mitglieder eine Form, davon durch verbotene oder lockere Beziehungen, praktiziert. Manche Männer behaupten selbstgerecht, dass die Monogamie dem Schutz der Rechte der Frau dient. Aber seit wann interessiert sich der westliche Mann für die Frauen Rechte? Die westliche Gesellschaft ist durch und durch von sozio-ökonomischen Praktiken geprägt, die die Frauen unterdrücken und zu einem Anstieg der Frauenbefreiungsbewegungen in den letzten Jahren geführt hat. Von den Frauenrechtlerinnen des frühen 19. Jahrhunderts bis heute.

In der Realität schützt die Monogamie die Rechte des Mannes und befähigt ihn mit seine Verantwortung zu spielen, da das Auftreten der Untreue unter ihnen meist sehr viel höher als unter Frauen ist. Die Antibabypille und der leichte Zugang zu Abtreibungen öffnete die Tür zu unerlaubtem Sex und wurde in Versuchung geführt bei diesem „Spaß“ dabei zu sein. Trotz ihrer natürlichen und generellen Veranlagung zu ernsthaften Beziehungen, wurde sie von der sogenannten sexuellen Revolution eingeholt. Nichts desto trotz ist sie weiterhin diejenige, die unter den Nebenwirkungen der Pille und der Spirale oder dem Trauma nach einer Abtreibung leidet, genauso wie sie in der Vergangenheit nach der Geburt eines unehelichen Kindes leiden musste. In der Zwischenzeit vergnügt sich der Mann weiterhin, sorgenfrei, abgesehen von den modernen Geschlechtskrankheiten, Herpes und A.I.D.S., die viele dazu bringen ihre sexuellen Gewohnheiten zu überdenken. Und so ist der Mann weiterhin durch die Monogamie geschützt während Prostituierte, Call-Girls, Geliebte, Sekretärinnen, Models, Schauspielerinnen, Verkäuferinnen, Kellnerinnen und Freundinnen weiterhin ihr Spielplatz bleiben. Die Wahrheit ist, dass die Polygamie so vehement vom männliche dominierten Westen abgelehnt wird, weil es Männer zur Treue zwingen würde. Die Polygamie würde sie dazu zwingen sozio-ökonomische Verantwortung für die Erfüllung ihrer polygamen Gelüste zu übernehmen, und würde die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft, Frauen und Kinder, vor psychischem und physischem Missbrauch schützen.

Manche mögen argumentieren, dass wenn man das Stigma der Illegalität beseitigen würde, das Problem, ohne ein zurückgreifen auf die Polygamie, gelöst wäre. Jedoch hat schließlich jedes Kind ein natürliches Interesse seine Eltern kennen zu wollen und das daraus resultierende Chaos in der Ahnenforschung könnte schnell zu Inzest führen. Frauen haben ein berechtigtes Interesse an der einheitlichen Polygamie wegen des offensichtlichen sozio-ökonomischen Schutzes, welche diese mit sich bringt.  Und der Zukünftige, weltweite Überschuss an Frauen ist ein bekanntes Faktum. Die Sterberate bei der Geburt ist weit höher bei Jungen, und Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer; um nicht die zahlreichen Männer zu nennen die täglich, in den auf der Welt herrschenden Kriegen, sterben. Also, obwohl die Rate von Land zu Land variieren mag ist das Resultat das selbe; die Zahl der Frauen übertrifft die der Männer. Zu diesem offensichtlichen Ungleichgewicht kommt noch erschwerend dazu, dass Homosexualität offenbar öfter unter Männern auftritt als unter Frauen. Das heisst, das mehr Frauen um eine sinkende Anzahl von Männern konkurrieren. Folglich, wird es immer eine große Anzahl von Frauen geben die in einer monogamen Gesellschaft nicht fähig sind ihre sexuellen und psychologischen Bedürfnisse auf legitime Art zu erfüllen. Ihre Präsenz und die zunehmend freizügigere Gesellschaft sorgen so zu einer Auflösung der westlichen Familienstruktur. Eine starke Familienstruktur ist für eine starke und gesunde Gesellschaft absolut notwendig. Und der einzige Weg für eine Familie stark und reaktionsfähig, für die Bedürfnisse ihrer männlichen und weiblichen Mitglieder, zu bleiben, ist der Gedanke der islamischen Form der Ehe, von der die Polygamie ein Teil ist.

Das monogame Heiratssystem kann, ganz klar, die wirklichen Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft nicht berücksichtigen. Es begrenzt die Möglichkeiten für Mann und Frau während es vorgibt die Rechte letzterer zu schützen. Anstatt Schutz, bietet die Monogamie dem Mann einen heuchlerischen Schild hinter dem einer Frau der Vorzug vor eine Freundin gegeben wird, bzw. umgekehrt. Der Islam hat ein vollkommenes Heiratssystem, welches alle menschlichen variablen berücksichtigt und dem Mann und der Frau praktikable Möglichkeiten bietet. Die Richtigkeit und Legalität der Polygamie zu leugnen, ist gleichbedeutend mit der Leugnung der Vollständigkeit des islamischen Heiratssystems und der Weisheit der göttlichen Anordnung. Es ist weder möglich, dass alles im Leben nach unseren Gefühlen und Gelüsten abläuft. Noch, ist es möglich, ohne die Erfahrung von Schmerz zu leben. Im Gegenteil, Allah sprach im Edlen Quran, dass die Muslime geprüft werden sollen:

„Und gewiss wir werden euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Vermögen, Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den geduldigen eine frohe Botschaft“ [Edler Quran 2:155]

„Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie bloß sagten: “Wir glauben“, und meinen sie, sie würden nicht auf die Probe gestellt?“ [Edler Quran 29:2]

Weder können Prüfungen noch Schmerz, seien sie psychisch oder emotional, im Leben vermieden werden. Noch kann auch nur ein Aspekt im islamischen System negiert werden um der Meinung eines Individuums oder einer Gruppe gerecht zu werden. Obwohl die Polygamie schmerzhaft für manche Frauen sein mag, ist sie doch andererseits auch nützlich für andere Frauen und für die Gesellschaft als Ganzes. Muslime müssen die Vollkommenheit und Vollständigkeit von Allahs Nachricht anerkennen und sich der Tatsache fügen, dass Allahs Weisheit über unseren Meinungen steht.